Outdoor mit Kindern
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Naturzeit mit Kids in der Coronakrise

Naturzeit im Wald

Fünf Wochen Hausarrest? Möglichst wenig unterwegs sein, nicht reisen, soziale Kontakte meiden, zu Hause bleiben. Da fällt nicht nur euren Kids die Decke auf den Kopf? Aber die temporäre physische Isolation ist gerade jetzt enorm wichtig, um das Tempo der Corona-Epidemie zu bremsen – das sieht wohl jeder ein. Wir können also nur schauen, wie wir die Zeit positiv nutzen und mit schönen Dingen füllen. Das Immunsystem stärken, auf uns aufpassen, uns gegenseitig unterstützen und trotzdem körperlich Abstand halten – schauen, dass es uns trotzdem gut geht, damit wir der Krankheit und der ansteckenden Angst etwas entgegensetzen können.

Der beste Umgang mit Krisen ist es, abzuklopfen worum es wirklich geht. Zu schauen was gerade möglich ist und was eher nicht. Sucht für euch Lösungen, die trotz der Situation machbar sind und euch gut tun. Dazu ist es wichtig zu verstehen, wie die Ansteckung mit Corona funktioniert, was riskant ist und was eher nicht. Euer Zuhause ist dabei nicht der einzige sichere Platz!

Wer die detaillieren Infos von Christian Drosten in den NDR-Podcasts verfolgt hat, weiß aus Folge 13, dass das Risiko einer Ansteckung draußen viel geringer ist als in geschlossenen Räumen. Die Viren vermehren sich bei einer Infektion im Halsraum und werden ausgehustet. Sie sind auf Metall und Kunststoff bis zu drei Tage lebensfähig, sodass ihr sie auch dort unfreiwillig einsammeln könnt. In der Luft verbleiben die Viren nur wenige Minuten. Dann sinken sie zu Boden.

Menschen brauchen Bewegung im Freien und Kinder besonders. Viele Kids werden, wenn sie nicht rauskommen, unausgeglichen und nörgelig. Frische Luft und Bewegung sind gut für die Stimmung und auch fürs Immunsystem. Die Luft im Wald ist dabei besonders sauerstoffreich. Wenn ihr nicht gerade wegen Corona-Kontakt in Quarantäne seid, schaut also zu, dass ihr rauskommt.

Wie können wir raus in die Natur, ohne uns oder andere zu gefährden?

Das macht die Auszeit im Wald Corona-sicher:

  1. Einsame Plätze
    Geht dahin, wo sich nicht alle treffen. Wenn ihr ein ganz normales Waldstück für einen Ausflug wählt, statt einem beliebten Ausflugsziel, seid ihr dort häufig ganz alleine. Ihr könnt niemanden anstecken und keine Viren aufsammeln.
  2. Anreise ohne Gedrängel
    Wer in der Stadt wohnt, sollte die öffentlichen Verkehrsmittel meiden. Wenn der gewählte Platz zu Fuß zu weit ist, wäre das Fahrrad oder natürlich das eigene Auto eine gute Alternative.
  3. Autark sein
    Eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Früchtepunsch, ein paar Snacks und eine Unterlage zum Sitzen nicht vergessen. Einkehren ist nicht sinnvoll und ein kleines Picknick sowieso viel spannender.

Wie gut kennt ihr den Wald vor eurer Haustür?

Sucht euch einen Zugang zum Wald, möglichst zu einem ganz normalen Waldstück. Wenn ihr euch nicht sicher seid, wo ihr einen geeigneten Platz finden könnt, helfen euch Outdoorportale wie Komoot oder Outdooractive. Sie stellen einen Tourenplaner mit detaillierter Karte zur Verfügung, in der auch alle Fußwege eingetragen sind. Hier könnt ihr schauen, wo in eurer Nähe eine grüne Nische sein könnte, die ihr vielleicht noch gar nicht kennt. Die Online-Nutzung des Tourenplaners und der Karte ist kostenlos und ihr könnt sie auch unterwegs verwenden.

Was macht man mit Kindern in einem ganz normalen Wald?

Eine Waldexpedition mit Kids

Ein Spaziergang im Wald ist für die meisten Kinder sterbenslangweilig. Macht eine Expedition daraus oder ein Abenteuer. Sucht Tiere und Pflanzen, baut eine Fantasiewelt und erfindet Geschichten. Nutzt den Wald als Spielplatz und wenn ihr wollt auch als Raum zum spielerischen Lernen.

Zehn Spiele im Wald

Der Schwarzspecht – ein Infokapitel in unserem Buch »Mecklenburgische Seen mit Kindern«

Spiel 1: Die Vogelpirsch
Das Klopfen eines Spechtes hallt eindrücklich durch den Wald und die ersten Singvögel kehren aus dem Süden zurück und bauen ihre Nester. Wenn ihr ganz still seid, könnt ihr hören wer im Wald unterwegs ist und wo. In den zur Zeit gerade noch blattlosen Baumkronen kann man Vögel recht gut orten und sogar mit dem Fernglas beobachten.
Wer Lust hat die Vögel auch zu bestimmen kann sich im Vogeltrainer von NABU die Stimmen der am häufigsten vorkommenden Singvögel in unseren Wäldern anhören.
Zum Mitnehmen gibt es die Vogelstimmen in der NABU Vogelwelt App. Die Grundversion der App ist kostenlos. Wer die Vogelstimmen im Wald vergleichen will, braucht eine kostenpflichtige Ergänzung.

Tierspuren im Wald
Tiere hinterlassen unterschiedliche Zeichen ihrer Anwesenheit im Wald. Was findet ihr?

Spiel 2: Tierspuren suchen
Von der Spechthöhle, über Fußspuren, Kothäufchen, angefressene Eicheln und Blätter – Tiere hinterlassen an vielen Stellen im Wald ihre Spuren. Weitere Infos findet ihr zum Beispiel unter wikihow.com.

Wer hier wohl gewohnt hat? Dieser Baumstamm ist hohl und hat viele Löcher. Der Baum ist längst umgefallen und wir haben ihn am Wegrand entdeckt.

Spiel 3: Auf Schatzsuche
Bei der Schatzsuche muss jeder Spieler während der Waldexpedition kleine Dinge finden. Man kann für jedes Kind ein Säckchen vorbereiten, in dem die Schätze unterwegs vor neugierigen Blicken geschützt verstaut werden können. Jedes Kind bekommt einen Auftrag, den man auch per Loszettel verteilen kann. Man kann die Kinder nach konkreten Dingen suchen lassen wie zum Beispiel einem Kiefernzapfen, Bucheckern oder einem bunten Stein oder auch abstraktere Begriffe verwenden. „Finde etwas rundes, etwas spitzes, etwas weiches, etwas rotes und etwas essbares“ wäre zum Beispiel ein interessanter Suchauftrag, der bei jedem Kind zu einem anderen Ergebnis führen dürfte. Am Ende der Waldrunde oder bei einer Pause packt man dann die Säckchen aus und vergleicht die Ergebnisse. Vielleicht kann auch jeder kurz erzählen, wo er seine Schätze entdeckt hat.

Das hier ist ein Leberblümchen. Wir haben ein bisschen gesucht, um das herauszufinden.

Spiel 4: Die Fotosafari
Statt die Kids als Schatzsucher loszuschicken, kann man im Wald auch auf Fotosafari gehen. Jetzt im Frühjahr bietet sich das Thema Blüten an. Ihr lasst die Kids alle Blüten sammeln, die sie finden können. Statt diese mitzunehmen, fotografiert ihr sie einfach. Für jede Blüte gibt es einen Punkt, der hinterher in Gummibären oder andere kleine Süßigkeiten umgetauscht werden kann. Größere Kids könnt ihr die Blüten zu Hause richtig bestimmen lassen. Im Internet gibt es Bestimmungsseiten wie zum Beispiel den Krautfinder. Den Punkt gibt es dann erst für eine richtig benannte Blüte. Etwas später im Jahr könnt ihr das dann Spiel auch auf Blätter und Bäume ausdehnen.
Die Foto-Safari funktioniert nicht nur im Wald, sondern auch in Parks oder zwischen den Gärten einer Wohnsiedlung.

Sieht eher gefährlich aus der Troll, oder?

Spiel 5: Trolle und Gnome suchen
Wurzeln und Baumstämme haben die seltsamsten Strukturen und mit wenig Fantasie kann man überall im Wald schaurige Gesichter entdecken und fotografieren, den Trollen Namen geben und Geschichten erfinden.

Steinkunst im Wald
Steinmännchen bauen
Oder was fällt euch sost noch so ein?

Spiel 6: Kunst im Wald
Zapfen, Bucheckern, Eicheln, Steine, Zweige, trockene Blätter und Moos sind allerbestes Baumaterial für kleine Naturkunstwerke. Ein Haus, eine Landschaft, das Meer, ein Familienbild – was kann man noch alles aus Naturmaterialien gestalten?

Spiel 7: Baumgeschichten
Bäume sind Überlebensspezialisten. Sie entwickeln stützende Wurzeln, wenn der Hang wegbricht. Sie lehnen sich aneinander oder wachsen zusammen, wenn der Platz eng wird. Sie wachsen zwischen Felsen und am Abgrund. Sie treiben neu aus, wenn ein Stamm bricht. Die Form mancher Baumstämme und die Position der Äste erzählen eine Geschichte – die Lebensgeschichte eines Baumes. Ihr könnt versuchen die Baumgeschichten zu lesen oder nur schauen, welche unterschiedlichen Baumformen ihr so findet. Wer findet den ungewöhnlichsten Baum?

Baumklettern im Küstenwald an der Ostsee

Spiel 8: Balancieren und Klettern
Umgefallene Bäume am Wegrand oder – noch besser – quer über dem Weg liegend, sind eine Einladung zum Balancieren. Prüft vorher die Stabilität des Stammes und seid bei feuchtem Wetter vorsichtig. Holz wird dann ganz schön rutschig.
Gute Kletterbäume findet man in einem durchschnittlichen Wald nicht allzu häufig. Die in unseren Wäldern weit verbreiteten Buchen haben lange, gerade Stämme. Der Stamm eines guten Kletterbaumes muss sich weit unten verzweigen und mehrere stabile Ableger entwickeln. Das tun eher langsam wachsende Bäume wie zum Beispiel manche Eiche oder auch verschiedene Obstbäume. Auch unter Kiefern findet man zum Klettern geeignete Exemplare. Einen guten Kletterbaum zu finden, ist immer ein besonderes Highlight.

Naturzeit im Wald
Das ist die einfachste Form eines Tipis: Stöcke werden zeltförmig zusammengestellt. der eingebaute Baumstamm sorgt für Stabilität.

Spiel 9: Ein Tipi oder eine Hütte bauen
Der Sturm Sabine hat in unseren Wäldern viel Bruchholz hinterlassen, das sich hervorragend zum Bauen von Tipis und Hütten eignet. Verwendet zum Bau nur Naturmaterialien und lasst keine Schnüre oder anderes Material im Wald zurück, in dem sich Wildtiere und Vögel verfangen und verletzen könnten.

Spiel 10: Der Wald als Holzwerkstatt
Eine kleine Säge, Bohrer und Feile oder ein Taschenmesser zum Schnitzen, machen den Wald zur Holzwerkstatt in der Kids ohne Sorge um Dreck und Material werkeln können. Man kann dabei Häuser und Ställe bauen, kleine Schiffchen, einen Wanderstock oder Pfeil und Bogen. Verwendet zum Bau nur bereits am Boden liegende Naturmaterialien und lasst keine Schnüre oder anderes Material im Wald zurück, in dem sich Wildtiere und Vögel verfangen könnten. Für die Holzwerkstatt muss es warm genug sein, weil ihr euch nicht so viel bewegt. Sie ist nur bei trockenem Wetter und Temperaturen über 15 Grad eine gute Idee.

Im Wald dürft ihr kein Feuer machen, aber vielleicht gibt es in eurer Nähe einen öffentlichen Grillplatz oder ihr habt einen Feuerkorb im Garten?

Wenn es in eurer Nähe einen Grillplatz mit festen Feuerstellen gibt, oder ihr eine Feuerstelle oder einen Feuerkorb im Garten habt, wäre auch ein Picknick mit wärmendem Lagerfeuer, Stockbrot oder Würstchen ein guter Abschluss für ein Naturabenteuer. Lasst größere Kinder dabei selbst versuchen ein Feuer zu machen – selbstverständlich unter Aufsicht.

Ein Tipp für größere Kids:
In der ZDF Mediathek (und auch bei YouTube) sind unter dem Titel »Unsere Wälder« drei Folgen von Terra X über den Wald und sein Ökosystem zu finden, die für größere Kids das »Erlebnis Wald« mit Infos ergänzen.
Teil 1: Die Sprache der Bäume
Teil 2: Ein Jahr unter Bäumen
Teil 3: Im Reich des Wassers

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